Meiser, Hans: Völkermorde vom Altertum bis zur Gegenwart

Lieferzeit:
ca. 3-4 Tage ca. 3-4 Tage (Ausland abweichend)
19,80 EUR
inkl. 7% MwSt. zzgl. Versand

Homo homini lupus« – »Der Mensch ist des Menschen Wolf«. In dieser prägnanten Kurzform faßte schon vor rund 400 Jahres Thomas Hobbes seine Erfahrung aus der Geschichte zusammen. Immer war der Mensch grausam gegenüber seinen Artgenossen. Wahrscheinlich war dies ein Ergebnis Jahrhunderttausende alter Erfahrung und vielleicht biologischer Notwendigkeit zum Überleben.

Das wird vor allem in den großen – und dabei meist vermeidbaren – Völkermorden der Geschichte deutlich. Seit dem Beginn der Überlieferungen hat es immer wieder grausame Massaker und das Abschlachten ganzer Volksgruppen gegeben, manchmal in kürzester Zeit wie unter dem Mongolen-Khan Timur Lenk, der an einem Tag über 100000 Geiseln aufhängen ließ, manchmal über Jahrhunderte hinweg mit Zigmillionen Opfern wie bei den Ureinwohnern Nord- und Südamerikas. Im Rahmen der europäischen Zivilisationsentwicklung schien sich in der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert auch eine Kultur des Krieges und der Friedensschlüsse entwickelt zu haben, die nach allgemeiner Anerkennung eines verbindlichen Völkerrechtes solche Völkermorde unter den sogenannnten zivilisierten Nationen undenkbar machte. Doch der neuerliche Einbruch der Einflusses raumfremder Mächte aus Ost und West ins Abendland seit dem 20. Jahrhundert mit Mißachtung des Völkerrechts zerstörte dieses zarte Pflänzchen wieder und ließ längst als überwunden angesehene Neuauflagen von Völkermorden in Europa fröhliche Urständ feiern.

Nach dem Sieg über ›Hitler-Deutschland‹ machten die Sieger 1945 die Welt glauben, daß in Zukunft nach Ausschalten des bösen Militaristen der ewige Friede unter dem Schutz der Großmächte einsetze. Doch in den letzten 60 Jahren haben mehr als 250 kleinere und größere Kriege die Welt erschüttert, an denen die Bundesrepublik Deutschland – wenigstens bis zu den Bundeswehreinsätzen im Ausland seit wenigen Jahren – nicht beteiligt war und deswegen auch nicht schuldig sein konnte. Dazu kamen grausame Bürgerkriege auf fast allen Kontinenten, bei denen sich benachbarte Völker gegenseitig umzubringen versuchten und Millionen Todesopfer zu beklagen waren. Man denke unter anderem an Armenien, Palästina, Indien, Algerien, China, Biafra, Ruanda, den Kongo und an den heutigen Sudan. Die Großmächte als Garanten der Weltsicherheit und die Vereinten Nationen (UNO) als bestellte Wächter über den Frieden in der Welt sahen meist viel zu lange dem Morden gelassen zu, bevor sie in einigen Fällen eingriffen oder wenigsten das Vorgehen der Angreifer verurteilten.

Unter diesen Umständen ist es verdienstvoll, in einem Buch auf die Geschichte des Völkermordes hinzuweisen und exemplarisch viele dieser Genozide darzustellen, die aus den verschiedensten Gründen geschahen. Dieser Aufgabe hat sich der Historiker Dr. Hans Meiser, der schon durch mehrere Bücher zu zeitgeschichtlichen Themen hervorgetreten ist, in Kürze erscheinenden Werk Völkermorde vom Altertum bis zur Gegenwart unterzogen und dabei eine Art Nachschlagewerk über die Völkermorde in der Vergangenheit vorgelegt. Ausgehend von der Antike über die frühen Genozide im Vorderen Orient und im Mittelmeerraum, hat er solche Vorkommnisse für die letzten dreitausend Jahre bis zur Gegenwart für alle Erdteile chronologisch beschrieben. Das Ausmorden der Römer in den unterworfenen Provinzen fehlt dabei ebenso wenig wie das Massaker in Jerusalem im ersten Kreuzzug. Die Millionen Opfer der Mongolen in Osteuropa werden genau so dargestellt wie ihre Mordorgien in China. Die heute oft schnell übergangenen Folgen der europäischen Kolonisation in Nord-, Mittel- und Südamerika mit fast völliger Ausrottung der Millionen Indianer und Inkas bilden ein ebenso furchtbares Schicksal wie das der Kongolesen am Ende des 19. Jahrhunderts in der Privatkolonie des belgischen Königs. Die vielen Millionen Opfer der Stalinschen Kampagnen gegen seine eigene Bevölkerung in der Zwischenkriegszeit wie der sowjetischen Soldateska in Ost- und Mitteldeutschland unter Ilja Ehrenburgs Aufrufen und die seines Kommunistenfreundes Mao Tse Tung wurden lange verdrängt, um die Deutschen als ›Tätervolk‹ anklagen zu können. Zu diesen vorgeworfenen Verbrechen wird ebenso Stellung genommen. Dabei werden einige unberechtigte Vorwürfe, etwa der des Völkermordes an den Herero, begründet zurückgewiesen. Ebenso werden die Verbrechen am deutschen Volk, die politisch korrekt meist in ähnlichen Darstellungen verschwiegen oder verharmlost werden, gebührend behandelt.

Erst bei einer Übersicht über diese Geschehnisse erhebt sich die Frage der Vergleichbarkeit dieser Verbrechen und läßt sich zur ›Singularität‹ besonderer Genozide eine sachliche Aussage machen. Die meisten waren in ihrer jeweiligen Weise von besonderer Art. Für das einzelne Opfer war es dabei ziemlich gleichgültig, ob der Mörder ein Deutscher, ein Sowjetsoldat, ein fanatischer Islamist, ein britischer Staatsmann oder ein Neusiedler in Nordamerika war.

Doch dieses Buch zählt nicht nur auf und beschreibt den Ablauf und die Folgen der einzelnen historisch greifbaren Völkermorde, sondern stellt sie in kurzen Einführungen in den Zusammenhang ihrer Zeit. Damit wird verständlich gemacht, wie ganze Gesellschaften auf allen Kontinenten mitschuldig an solchen Mega-Morden wurden, aus welchen Ideologien oder Machtgelüsten die Verbrechen erfolgten und wie in allen den zurückliegenden Jahrtausenden immer wieder die anthropologische Grundausstattung des Menschen durchschlägt. Dabei werden auch zeitgenössische Tabus berührt, und die politische Korrektheit wird verletzt. Erst das führt zu dem Wissen, das beachtet und angewandt werden muß, wenn künftig solche Ereignisse vermieden werden sollen.